Entstauung durch Kompression: Praxisnahe Vorführungen waren bei der Gesundheitsmesse in Biblis besonders gefragt. © Foto: THOMAS TRITSCH

BIBLIS/RIED – Was es nicht gibt, muss man erfinden. Das hatte sich auch Kerstin Stier gesagt und für Biblis eine neue Gesundheitsmesse konzipiert. Das war viel Aufwand, aber es hat sich gelohnt: Zahlreiche Besucher kamen am Wochenende ins Bibliser Bürgerzentrum, um sich über vielfältige Maßnahmen zu den Themen Vorsorge, Therapie und Pflege zu informieren.

Die Prävention bildete einen Schwerpunkt der Veranstaltung, die mit 30 Ausstellern eine ideale Größe hatte. Die Stände waren nicht zu eng platziert und es blieb viel Raum für persönliche Gespräche. „Hier nimmt man nicht nur viele Broschüren mit, sondern vor allem wertvolle Informationen aus kompetentem Munde“, so eine Besucherin kurz nach der Eröffnung am Samstagvormittag.

Genau das war auch der Anspruch der Initiatorin, die mit Pr@ev-X offene Türen eingerannt hatte. Das Kürzel steht für Prävention und mehr. Kerstin Stier wollte eine niederschwellige Bühne schaffen für ein breites Spektrum an nützlichen Gesundheitsinformationen aus erster Hand in einer Atmosphäre ohne Hektik und Zeitdruck. Und ohne Eintrittsgeld.

Der Verein Lily‘s aus ’m Ried um Kerstin Stier (3.v. l.) hat die Bibliser Gesundheitsmesse organisiert. © Foto: THOMAS TRITSCH

 

„So etwas hat uns bislang gefehlt.“ Mit „uns“ meinte sie nicht nur die Bevölkerung im Ort, sondern auch die Lily’s aus‘m Ried. Kerstin Stier hatte diese Selbsthilfegruppe, aus der ein Verein geworden ist, gemeinsam mit anderen im September 2024 gegründet, um Menschen mit Lipödem oder Lymphödem zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. Zusammen mit ihrem Team hatte sie die Messe organisiert und auch thematisch bereichert.

Bibliser Selbsthilfegruppe kümmert sich um Lymphödem und Lipödem

Ein Lymphödem ist eine chronische Erkrankung, die Schwellungen verursacht, wenn sich Lymphflüssigkeit im Gewebe staut. Beim Lipödem handelt es sich um eine Fettverteilungsstörung, die hormonell und genetisch beeinflusst ist. Auf der Messe wurde ein besonderes Gerät zur Entstauung bei einem Lymphödem vorgestellt. Durch pneumatische Kompression, also das Aufblasen von Luftkammern, entsteht ein Druck, der die Flüssigkeit aus Beinen oder Armen ins zentrale Abflusssystem des Körpers hin bewegt. Das könne man sehr gut zu Hause nutzen, verrät Kerstin Stier, die das Prinzip persönlich vorgeführt hat.

Wenn eine ärztliche Verordnung vorliege, weil weitere Maßnahmen wie Kompressionsstrümpfe bereits eingeleitet wurden, könne diese Therapie von der Krankenkasse übernommen werden. Eine Manschette für die Beine kostet rund 3.500 Euro, wie Produktberater René Wolski erklärt. Eine Stunde Anwendung täglich könne wesentlich dazu beitragen, die Symptome zu lindern. „Gesundheit ist kein Zufall, sondern eine Entscheidung, die wir täglich neu treffen“, so die Vorsitzende der Lily’s.

Vorbeugen statt Reparieren: Das war der Tenor der Gesundheitsmesse. Da stimmt auch Ralf Krachtus mit ein. Der Chef des Fitnesszentrums Biblis rät, den Körper und insbesondere die Musikelbereiche gezielt zu trainieren, um im Alter beweglicher und fitter zu sein. Denn bereits ab dem 30. Lebensjahr beginne ein schleichender Verlust an Muskelmasse, der sich ab 50 deutlich beschleunige. Diesen Prozess könne man verlangsamen, so der Gesundheits-Dienstleister im Bürgerzentrum. „Wir wollen auch ältere Menschen dafür sensibilisieren.“ Denn den Jungen brauche keiner ein Fitnessstudio schmackhaft zu machen.

Einzige Hebamme aus Biblis stellt ihr Angebot vor

Carina Holstein kümmert sich um die noch jüngeren. Die Hebamme bietet eine Wochenbettbetreuung sowie Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse in und um Biblis an. Eben alles rund um Schwangerschaft und Nachsorge. Sie ist die einzige ihrer Art in der Gemeinde. „Wir haben bundesweit ein Nachwuchsproblem“, sagt sie.

Vom Anfang bis zum Ende des Lebens dauert es hoffentlich lange, aber jede Biografie hat ein Finale. „Das Sprechen übers Sterben hat noch keinen umgebracht“, lächelt Margarete Keilmann, Koordinatorin bei PaHoRi e.V. – der Palliativ- und Hospiz-Initiative im Ried. Dahinter verbirgt sich ein ambulanter Palliativ- und Hospizdienst für Menschen in Bürstadt, Lampertheim, Biblis und Groß-Rohrheim. Es geht um eine optimale Betreuung von Schwerstkranken und Angehörigen, um Schmerztherapien, Beratung und Trauerbegleitung. Und vieles mehr. „Zeit schenken“, nennt es Keilmann. „Viele wissen nicht, dass es uns gibt“, ergänzt ihre Kollegin Mareike Weg.

Sanitätshaus Biblis präsentiert Rollatoren und Rollstühle

Noch immer eine Scheu vor den Symbolen des Altseins erkennt Thayaparan Thuvarakan vom Sanitätshaus Biblis. Rollatoren gelten noch immer als Zeichen der Hilfsbedürftigkeit. Dabei gebe es längst stylishe Modelle auch für den Innenbereich, die durch jede Tür passen und multifunktional nutzbar seien. Auch Rollstühle hätten heute Joystick, Bluetooth und Seitenspiegel. „Wir müssen beraten und überzeugen“, so der Fachmann.

Auch der Kreis Bergstraße war mit mehreren Fachvorträgen präsent. Weitere Themen waren unter anderen Zahngesundheit, Schüßler-Salze und Homöopathie.

Fazit: Die Premiere von Pr@ev-X war ein Erfolg. Der neu gewählte Bürgermeister Konstantin Großmann, der am 1. April ins Amt startet, sprach von einer großen Bereicherung für die Gemeinde. Kerstin Stier hörte das gern. Sie dankte allen, die bei dem Format mitgeholfen und sich beteiligt haben. Auch ihrem Mann Jens, der von der Idee bis zur Eröffnung mitgeholfen habe. „Wir werden das in zwei Jahren wiederholen“, verspricht die Gastgeberin.

Quelle: Mannheimer Morgen
Text: THOMAS TRIETSCH (Mo., 23. März 2026, 00:00 Uhr)

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